Warum ist der Strompreis in Norwegen viel billiger als in Deutschland?
Es gibt mehrere Gründe, warum der Strompreis in Norwegen deutlich günstiger ist als in Deutschland:
1. Dominanz der Wasserkraft:
Norwegen ist ein Land mit extrem reichen Wasserressourcen und hat massiv in die Wasserkraft investiert. Über 90% des norwegischen Stroms wird aus Wasserkraft gewonnen.
- Niedrige Betriebskosten: Wasserkraftwerke haben, sobald sie gebaut sind, sehr niedrige Betriebskosten. Es gibt keine Brennstoffkosten (wie bei Gas, Kohle oder Atomkraft) und die Wartung ist vergleichsweise günstig.
- Flexibilität: Wasserkraftwerke sind sehr flexibel und können schnell hoch- und heruntergefahren werden, um auf Schwankungen im Strombedarf zu reagieren. Dies ist ein großer Vorteil im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarenergie, die stärker von den Wetterbedingungen abhängen.
2. Geringerer Anteil an fossilen Brennstoffen und Atomkraft:
Im Gegensatz zu Deutschland, das immer noch einen erheblichen Anteil seines Stroms aus fossilen Brennstoffen (Erdgas, Kohle) und bis vor kurzem aus Atomkraft bezogen hat, ist Norwegen hier nahezu unabhängig. Fossile Brennstoffe sind teuer und ihre Preise schwanken stark, was sich direkt auf die Strompreise auswirkt.
3. Keine Kosten für CO2-Zertifikate im Strommix:
Da Norwegen seinen Strom fast ausschließlich aus emissionsfreier Wasserkraft bezieht, fallen keine Kosten für CO2-Zertifikate an, die in Deutschland einen erheblichen Anteil am Strompreis ausmachen. Diese Zertifikate sollen Anreize schaffen, weniger CO2 zu emittieren, verteuern aber gleichzeitig den Strom aus fossilen Quellen.
4. Geringere Netzentgelte und Steuern:
Obwohl die genaue Zusammensetzung variieren kann, sind die Netzentgelte und Steuern auf Strom in Norwegen tendenziell geringer als in Deutschland. In Deutschland werden hohe Steuern und Abgaben erhoben, um den Ausbau erneuerbarer Energien zu finanzieren und die Energiewende voranzutreiben (z.B. EEG-Umlage, Stromsteuer).
5. Hoher Exportüberschuss an Strom:
Norwegen produziert mehr Strom als es selbst verbraucht und exportiert diesen Überschuss in andere europäische Länder. Dies trägt dazu bei, die heimischen Preise stabil und niedrig zu halten.
6. Geografische Vorteile:
Die Topografie Norwegens mit seinen vielen Bergen und Flüssen ist ideal für den Bau von Wasserkraftwerken.
Kurz zusammengefasst:
- Norwegen: Reichtum an Wasserkraft, niedrige Betriebskosten, keine Brennstoffkosten, keine CO2-Kosten, geringere Steuern.
- Deutschland: Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen (bis vor kurzem auch Atomkraft), hohe Brennstoffkosten, Kosten für CO2-Zertifikate, hohe Steuern und Abgaben zur Finanzierung der Energiewende.
Es ist wichtig zu beachten, dass auch in Norwegen die Strompreise in den letzten Jahren aufgrund von Trockenperioden und der Anbindung an den europäischen Strommarkt schwanken können. Dennoch bleibt der strukturelle Vorteil der Wasserkraft der Hauptgrund für die weiterhin günstigeren Preise im Vergleich zu Deutschland.